Anbieterprofil
Deutsche Familienversicherung: Auslandsreisekrankenversicherung Single
Die DFV Deutsche Familienversicherung AG ist eine Frankfurter Aktiengesellschaft, die
2006 gegründet wurde und den Geschäftsbetrieb am 1. April 2007 aufgenommen hat. Sie zeichnet ihre
Tarife selbst; Marke, Vermittler und Risikoträger fallen hier zusammen. Im Reisebereich führt das
Haus einen Single- und einen Familientarif, versichert sind jeweils die ersten zwei Monate jeder
Auslandsreise.
Diese Zwei-Monats-Frist entspricht einer Reisedauer bis 60 Tage – dieselbe
Grenze, nur in Kalendertagen ausgedrückt. Damit steht der Tarif am unteren Ende unseres
Vergleichsfelds, das bis zu 70 Tagen je Reise reicht. Der Vertrag ist als Jahresvertrag angelegt und
trägt den Hinweis auf einen enthaltenen Rücktransport: Erstattet wird er, sobald er medizinisch
sinnvoll und vertretbar ist, außerdem bei einer voraussichtlichen Krankenhausbehandlung von mehr als
14 Tagen und dann, wenn die Behandlung teurer käme als der Transport.
Anbieter und Tarife
Was den Single-Tarif der Deutschen Familienversicherung kennzeichnet
Die Zeile zeigt die Single-Variante mit der in Kalendertagen ausgedrückten Reisedauer und einem enthaltenen Rücktransport. Der Jahresbeitrag beginnt bei 20,00 Euro für eine Einzelperson und bei 40,00 Euro für den Familientarif, Stand 18.09.2026. Oberhalb des Lebensalters 64 steigt er altersabhängig; den für Sie geltenden Betrag nennt der Versicherungsschein.
Wie die Deutsche Familienversicherung als Digitalversicherer arbeitet
Die Deutsche Familienversicherung verkauft überwiegend direkt und online. Es gibt keinen eigenen
Außendienst im klassischen Sinn; Antrag, Police und Schadenmeldung laufen über digitale Strecken,
daneben besteht ein Portal für Vermittler. Das Haus versteht sich ausdrücklich als digitaler
Direktversicherer und wirbt mit einfachen, verständlichen Produkten ohne Fachjargon.
Das Produktverständnis folgt dieser Logik: wenige Bausteine, klare Preisstufen, schnelle
Abschlussstrecke. Das Portfolio reicht von Zahnzusatz über ambulante und stationäre Zusatztarife,
Pflegezusatz und Unfall bis zu Sach- und Tierkrankenversicherungen. Der Auslandsreiseschutz ist ein
schmales Produkt in diesem Sortiment, kein Schwerpunkt.
Beim Reisetarif zeigt sich das Modell in der Beitragslogik – und in ihrer Lücke. Eine
Gesundheitsprüfung und ein Höchsteintrittsalter kennt der Tarif nicht; Voraussetzung ist allein der
ständige Wohnsitz in Deutschland. Die Bedingungen sagen zugleich ausdrücklich, dass sich der Beitrag
nach dem Alter der versicherten Person richtet, im Familientarif nach dem der ältesten. Genannt wird
deshalb ein Einstiegspreis; welche Altersstufe für Sie gilt und welcher Betrag zu ihr gehört, wird
individuell berechnet und steht laut Bedingungen im Versicherungsschein. Wer wissen will, ob ein Selbstbehalt in einem solchen Tarif
sinnvoll ist, findet die Abwägung unter
Selbstbeteiligung im Reiseschutz.
Warum die Deutsche Familienversicherung seit Ende 2024 nicht mehr börsennotiert ist
Das Unternehmen ging Ende November 2018 an die Frankfurter Wertpapierbörse und wurde im Prime
Standard geführt. Der Ausgabepreis lag bei 12 Euro je Aktie, der Emissionserlös bei rund
52 Millionen Euro. Sechs Jahre später endete dieses Kapitel: Eine luxemburgische Holding legte im
Herbst 2024 ein Delisting-Erwerbsangebot über 6,60 Euro je Aktie vor, die Annahmefrist lief bis
Mitte November 2024, der Rückzug von der Börse wurde zum Jahresende 2024 vollzogen.
Für Versicherte ändert das nichts. Ein Delisting betrifft die Handelbarkeit der Aktie, nicht den
Versicherungsvertrag. Die Aktiengesellschaft besteht unverändert fort, bleibt Ihr Vertragspartner
und unterliegt weiterhin der Versicherungsaufsicht. Weder Bedingungen noch Beiträge sind daran
gekoppelt.
Interessant ist der Vorgang trotzdem, weil er die Eigentümerstruktur verschoben hat: Das Haus
gehört heute überwiegend einem Investor und nicht mehr einem breiten Streubesitz. Für die
Öffentlichkeit bedeutet das weniger Berichtspflichten und damit weniger frei verfügbare Zahlen als
zu Börsenzeiten.
Wie belastbar die Zahlen der Deutschen Familienversicherung sind
Für 2025 weist das Unternehmen gebuchte Bruttobeiträge von 204 Millionen Euro aus und ein
Konzernergebnis vor Steuern von 10 Millionen Euro, bei einem operativen Ergebnis von
9 Millionen Euro. Das Wachstum in der Erstversicherung lag bei 4,4 Prozent. Für das Geschäftsjahr
2025 wurde erstmals in der Firmengeschichte eine Dividende von 0,34 Euro je Aktie vorgeschlagen.
Auf der Bestandsseite nennt das Haus mehr als 500.000 Kunden; zum Jahresende 2024 waren über
569.000 Verträge versichert. Damit ist die Gesellschaft ein mittelgroßer Spezialversicherer –
deutlich kleiner als die Konzerntöchter, die in derselben Vergleichstabelle stehen, aber mit einem
klar umrissenen Geschäftsmodell.
Zwei Angaben nennen wir bewusst nicht. Zur Beschäftigtenzahl kursieren stark abweichende Werte,
je nachdem, ob die Aktiengesellschaft allein oder der Konzern gemeint ist. Und eine aktuelle
aufsichtsrechtliche Bedeckungsquote ließ sich für dieses Haus nicht in einer Fassung feststellen,
die wir für belastbar halten. Beides wäre leicht hinzuschreiben und würde die Seite nicht besser
machen.
Wo die Deutsche Familienversicherung im Reisegeschäft an Grenzen stößt
Die auffälligste Grenze ist die Reisedauer. Zwei Monate je Reise reichen für Urlaube, Dienstreisen
und mehrwöchige Rundreisen bequem aus, nicht aber für ein Auslandssemester, eine Saisonarbeit oder
eine Überwinterung. Andere Tarife in unserem Vergleich decken bis zu 70 Tage ab – zehn Tage
mehr, die im Grenzfall über den gesamten Schutz entscheiden. Wer erkennbar länger unterwegs sein
wird, sollte gar nicht erst mit einem Jahresreisetarif planen, sondern mit den Lösungen unter
Auslandssemester und lange Aufenthalte absichern.
Die zweite Grenze ist struktureller Natur. Das Haus ist kein Assisteur und unterhält kein eigenes
weltweites Netz aus Notrufzentralen, Vertrauensärzten und Partnerkliniken. Der Notrufservice wird
bei einem Dienstleister eingekauft. Bei einer Erstattung nach der Reise fällt das nicht ins Gewicht;
bei einer Verlegung aus einer Klinik in einem schwierigen Land kann es das durchaus.
Deckungssummen, Selbstbehalte und Leistungsgrenzen nennen wir für diesen Tarif nicht. Sie stehen im
Bedingungswerk, das Sie im Abschlussvorgang erhalten, und ändern sich mit jeder neuen Fassung. Die
Sparteneinordnung finden Sie unter
Auslandsreisen medizinisch absichern;
welche weiteren Häuser wir vermitteln, zeigt die
Anbieterübersicht mit allen Tarifen.
Häufige Fragen zur Deutschen Familienversicherung
Bedeutet der Rückzug von der Börse ein Problem für meinen Vertrag?
Für laufende Verträge ändert ein Delisting nichts. Die Aktiengesellschaft besteht fort, bleibt Vertragspartner und unterliegt weiterhin der Versicherungsaufsicht. Betroffen ist allein die Handelbarkeit der Aktie, nicht die Police.
Was heißt „die ersten zwei Monate jeder Auslandsreise" genau?
Die Frist zählt ab dem Grenzübertritt und gilt je Reise, nicht je Versicherungsjahr. Wer mehrfach im Jahr verreist, startet die Zählung bei jeder Reise neu. Wer am Stück länger unterwegs ist, verliert den Schutz ab dem Folgetag.
Ist der Reiseschutz das Hauptgeschäft der Deutschen Familienversicherung?
Nein. Das Haus ist vor allem für Zahnzusatz-, Pflege- und Krankenzusatzversicherungen bekannt. Der Auslandsreiseschutz steht als schmales Zusatzprodukt daneben und wird über dieselbe digitale Abschlussstrecke verkauft.
Stand der Angaben: 18.09.2026.